Posted on

Über die Entstehung von STEIL-BERG-HOCH

Der freie Journalist Oliver Christe im Gespräch mit Sandrine Voegelin

Hoch oben, da wo kein Kraut mehr wächst, sind Felsen eine Selbstverständlichkeit. Die Wände, die dieser Kollektion als Grundlage dienten, ragen aber alle aus dichten Wäldern oder satten Wiesen.


Wie wirken Felsen, mitten im Grün?

Felsen sind ein Stück wettergezeichnete Geschichte, die bis heute von ihren ersten Stunden berichten. Während das Grün empfindlich dem Wandel unterworfen ist, bleiben die Felsen perfekt kalibrierte Eminenzen.

Die Versuchsanordnung war folgendermassen: Du kriegst einen Text über einen Felsen, an dem ich geklettert bin. Zwei Tage später ein Foto dazu. Dann übersetzt du diese Vorlagen in Kleidungsstücke. Wie hat sich die zeitliche Stabilität von Felsen, von der du sprichst, auf das Entwerfen der Kleidungsstücke ausgewirkt?

Man spricht vom Fels in der Brandung. Die Zeit hat wie ein Meer über Millionen Jahre gegen das Gestein gepeitscht. Ein schönes Bild, an dem die ganze Standhaftigkeit und Beharrlichkeit von Dingen erkennbar wird. Es löst ein vordigitales Beharren aus, welches für mein Entwickeln und Produzieren von Kleidern wichtig ist. Die Texte waren Meditationsvorlagen zu kommenden Winterzeiten und liessen Fragen aufkommen: Wie vielschichtig ist der Winter? Was ist Basic? Wieviel Feines und Grobes ist zweckmässig? Wie sieht Ausbaufähiges und Zeitloses aus?

Wie sehen die Antworten in Steil-Berg-Hoch auf diese Fragen aus?

Zentral ist immer der Blick in die Zukunft, bedacht Jahre und Moden zu überdauern. Teils sind es mehrfarbige Strickbindungen, die versuchen Gestein wie Gneis oder wassergeprägte Sinterstrukturen nachzuempfinden. Manchmal sind es warme auf kalte Tage am Fels, die nach kopfnahen Kapuzen (Highlander), grosszügig bemessener Wärme und vielschichtigen Aus- und Anziehvarianten rufen.

Was braucht es, damit Kleidung Jahre und Moden überdauert?

In erster Linie braucht es ein hochwertiges Ausgangsmaterial in maximaler Qualität. In ‚Steil-Berg-Hoch‘ wurde feine, mulesingfreie Merinowolle und Schweizer Leinen verarbeitet. Dies garantiert die Lebensdauer des Produkts. Danach folgt die Gratwanderung: Zweckmässigkeit, Alltag und Bedürfnisse des künftigen Trägers müssen mit dem Thema vereint werden. Ich nenne das Ergebnis Basics: die Aktualität muss sich im täglichen Gebrauch manifestieren, nicht aber dem Strohfeuer der Mode erliegen.

Wie weisst du, was nicht dem Strohfeuer zum Opfer fällt?

Alles was unaufgeregt und normal seinen Zweck erfüllt, was einfach verständlich und kombinierbar ist, überall wo der Glamour fehlt. Diese Attribute zeichnen Basics aus, die mehr als eine Saison getragen werden. Die Pullover und Jacken schreien nicht nach Anerkennung und haben den Status Gebrauchsgut, nicht Mode.

Und doch wagst du, wie die aktuelle Kollektion zeigt, den Schritt ins Ungewisse. Müssen Basics manchmal auch erzwungen werden?

Ich habe gehörigen Respekt Basics zu entwerfen. Um am Kern zu bleiben, bin ich versucht, mich stets derselben Herangehensweise zu bedienen. Dabei entstehen ungebeten meist geringfügige Varianten bis Revivals. Es ist deshalb inspirierend, sich einem Thema zu unterwerfen und dieses mit dem Ziel neuer Basics anzugehen. Eine weitere Herausforderung ist, dass die hundertprozentige Swissness, der sich erfolg verschrieben hat, ohne Schweizerkreuze oder ähnlichen Symbolen auskommen muss.

Swissness, aber doch schweizerkreuzlos. Mode, aber fernab von kurzlebigen Trends. Was treibt dich an, diesen Spagat zu versuchen?

Ich glaube an Megatrends und den daraus folgenden gesellschaftlichen Wandel. Ökologiebewusstsein und Ressourcenverknappung sind solche langfristigne Trends, die Einfluss auf unser Denken und unsere Werte nehmen. Sie beeinflussen die Geschäftsethik und das Handeln von erfolg. So ist mir auch die Schweizer Herkunft wichtig, die aber eben wenig mit Schweizer Kreuzen oder ähnlichen Symbolen zu tun hat.

Sind Kleider also immer auch die Geschichte ihrer Entstehung?

Die Kleider müssen unbedingt auch ohne Geschichte und Hintergrund verständlich und tragbar sein. Die Geschichte gibt ihnen jedoch eine Verwandtschaft und Herkunft. Durch sie haben die Modelle einen Zusammenhang – eine Linie. Dies ist die sogenannte Kollektion.

Der Kunde kauft diese Geschichte – die Felsen im Grün – also nicht automatisch mit?

Durch die Obdachlosigkeit der Mode, den Überfluss und Überdruss an Kleidern, wird oft erstmal in den Kategorien ‚gefällt mir‘ oder ‚- nicht‘ gekauft. Erst danach, in einem zweiten Schritt und viel langsamer als das erste Urteil, zeigt sich die Entstehungsgeschichte. Hier kommen die ethischen Überzeugungen des Labels zum Vorschein. Das macht, neben der materiellen, die modische Langlebigkeit von erfolg-Kleidern aus. Gutes Material alleine bringt nichts, wenn es nicht mehr getragen werden will.


Die Herkunft des Labels:
erfolg ist ein eigenständiges Schweizer Label. Vom Entwurf bis zum Vertrieb wird in eigener Regie gehandelt. In der Kerntechnologie vom nahtlosen Strick liegt das Verständnis für Schlichtes und Zeitloses. Langlebigkeit wird mit hochwertigem Materialeinsatz in der eigenen Manufaktur in Bichelsee umgesetzt.
Die naturgegebene Antwort auf Witterungen und Jahreszeiten heisst extrafeine Merinowolle in mulesingfreier Ausführung und Schweizer Leinen aus dem Emmental: Beide Qualitäten sind den heutigen Anforderungen eines aktiven Lebensstils gewachsen.